Netzwerk Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover - Aktuelles

Fachtagungen

Flyer Fachtagung Bürgerengagement

Planungen und die damit verbundenen Bauprojekte sind wichtige Voraussetzungen für den Erhalt und die Entwicklung der Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft. Nicht zuletzt erhoffen sich die Kommunen durch Investitionsentscheidungen Impulse für Ihre Standortattraktivität. Doch Planungsprozesse werden, aufgrund ihrer Abstraktheit, in den frühen Phasen der gesetzlichen Beteiligung oft ignoriert und Teile der Bevölkerung reagieren nicht selten sehr spät darauf. Doch dann beobachten sie zunehmend kritisch, welche Projekte vor Ort umgesetzt werden sollen. Schnell regt sich ganz erheblicher Bürgerprotest, vor allem, wenn eine eigene, unmittelbare Betroffenheit gegeben ist. Das Misstrauen der Protestierenden gegenüber Entscheidungen von Politik und Verwaltung wächst und die im Planungsrecht verankerten Beteiligungsformen scheinen nicht mehr allein hinreichend für die Akzeptanz größerer Projekte.

Neue Wege der Kommunikation und Beteiligung müssen deshalb gefunden und Argumente besser ausgetauscht werden. Damit müssen alle Seiten lernen aufeinander zuzugehen und wichtige Fragen müssen frühzeitig geklärt werden: Wo beginnt ein solcher Dialog, wie läuft er ab und wo hat er seine Grenzen? Wie gelingt es trotzdem,  unsere gesetzlichen Planungsebenen zu respektieren? Wie kann ein Austausch gestaltet werden, der sich im Spannungsfeld übergeordneter Themen wie Bevölkerungs- und Beschäftigtendynamik sowie Lebensqualität bewegt?


Programm


09:00 | Begrüßung und Einführung in die Veranstaltung
Moderation: Anette Quast (polis aktiv, Hamburg)


09:30 | Planungsrecht vs. Bürgerprotest? – Drei Fallbeispiele aus dem Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover

  • Asphaltmischwerk in Stadthagen
    (Gerd Hegemann, Fachbereichsleiter Planung und Bauen, Stadt Stadthagen)
  • Geflügelschlachthof in Wietze
    (Wolfgang Klußmann, Bürgermeister Gemeinde Wietze)
  • Kiesabbau Wedemark
    (Tjark Bartels, Landrat Hameln-Pyrmont, ehem. Bürgermeister Gemeinde Wedemark)

anschließend: Diskussion und Rückfragen zu den Beispielen


ca. 10:30 Kaffeepause


11:00 | Wie Stadtentwicklung im Dialog funktionieren kann…

  • Formen und Wege der Bürgerbeteiligung
    (Prof.Dr. Klaus Selle, RWTH Aachen)
  • Kommunikation zwischen Strategie und Krisenbewältigung
    (Raik Packeiser, insignis GmbH Hannover)

12:00 | …und wie sie in der Praxis funktioniert (Diskussionsrunde)
moderierte Diskussion im Plenum und mit Prof.Dr. Klaus Selle (RWTH Aachen), Raik Packeiser (insignis GmbH)
sowie Frank Werner (Chefredakteur dewezet, Hameln)


13:00 | Ausklang beim gemeinsamen Mittagessen


Tagungsprogramm zum Download

Die Präsentationen und eine kurze Dokumentation finden Sie im internen Bereich der Homepage


Impressionen


Vortrag Klaus Selle
Rolle Demokratiezoom
Diskussion in der FishBowl

Bilder: Netzwerk EWH | V. Kandjii

 


Fachtagung Reurbanisierung

Seit einigen Jahren ist ein gegenläufiger Trend zur Suburbanisierung zu erkennen: Zurück in die Stadt. Das Wohnen in zentralen Bereichen der Städte wird wieder attraktiver – nicht nur für Studierende und ‚urban professionals‘, sondern auch zunehmend für Familien und ‚silver agers‘.
Hintergrund sind u.a. der Demografische Wandel und der Wunsch nach kurzen Wegen und guter Versorgung in kurzer Entfernung – seien es Kinderbetreuungsangebote, Kultureinrichtungen oder ärztliche Versorgung. Aber auch neue und gemeinschaftliche Wohnformen spielen eine Rolle. Dabei beschränkt sich der Trend nicht nur auf Großstädte, sondern gilt auch für kleinere und mittlere Städte – also für die Zentralen Orte insgesamt.

Welche Anforderungen stellt dieser Trend an die Stadtentwicklung? Verstärkte Innenentwicklung, Nutzung von Baulücken und Brachen erfordern einen intensiven Umgang mit dem Bestand und ziehen erhöhten Planungsbedarf nach sich. Lässt sich der mitunter erhöhte (finanzielle) Aufwand rechtfertigen? Welche Handlungsansätze und Strategien verfolgen die Städte im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover? Wie kann Planung unterstützen und welche neuen Kooperationspartner werden benötigt?

Wir danken allen Referenten und Gästen für die spannende Veranstaltung und die engagierten Diskussionen!



Tagungsprogramm


10.00 h | Begrüßung

  • OB Dirk-Ulrich Mende, Stadt Celle

Einführung in die Veranstaltung

  • Thorsten Warnecke, Stadt Hildesheim | Sprecher Forum Städtethemen im EWH


10.15 h | Zurück in die Stadt – ein Thema für Mittelstädte?

  • Prof. Walter Ackers, Ackers Partner Städtebau

11.00 h | Hannover City 2020 - Beteiligungsprozess zur Stadtentwicklung

  • Uwe Bodemann, Stadtbaurat Landeshauptstadt Hannover

11.45 h | Strategien der Mittelstädte im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover
Impulse aus den Städten des Netzwerkes EWH:

  • Celle: Städtebauliche Strategien für eine kompakte Stadt – Ein Arbeitsbericht
    Dr. Matthias Hardinghaus, Stadtbaurat Stadt Celle
  • Stadt Hameln: Handlungsansätze zur Stärkung der Innenstadt am Beispiel Wohnen und Einkaufen
    Volker Mohr, Fachbereichsleiter Planen und Bauen Stadt Hameln

ca. 12.30 h Mittagspause

  • Hildesheim: Campus Innenstadt und Umnutzung Klinikgelände
    Thorsten Warnecke, Fachbereichsleiter Stadtplanung/-entwicklung Stadt Hildesheim
  • Nienburg: Stadt als generationsübergreifenden Kommunikationsort
    Henning Onkes, Bürgermeister Stadt Nienburg
  • Stadthagen: Medizinische Versorgung als Standortfaktor im Innenstadtbereich – neue Herausforderungen im Zeichen von Ärztemangel und Bevölkerungsrückgang
    Gerd Hegemann, Fachbereichsleiter Planen und Bauen Stadt Stadthagen


14.30 h | Zurück in die Stadt – Podiumsdiskussion
Moderation: Hans-Jürgen Tarrey, Stadtbaurat Stadt Peine

  • Prof. Walter Ackers, Ackers Partner Städtebau
  • Christian Kuthe, Referatsleiter Städtebau, Bauleitplanung, Baukultur im Nds. Sozialministerium
  • Jürgen Tiemann, Beigeordneter Niedersächsischer Städtetag
  • Kai-Uwe  Hirschheide, SRL Regionalgruppe Bremen/Niedersachsen
  • Dr. Matthias Hardinghaus, Stadtbaurat Stadt Celle
  • Ulrich Kinder, Fachbereich Planung und Raumordnung Region Hannover


16.00 h | Ausklang


Tagungsprogramm als Download (pdf)

Die Präsentationen und eine kurze Dokumentation finden Sie im internen Bereich der Homepage

Ein Teil der Tagungsbeiträge ist als Band 3 der Schriftenreihe des EWH erschienen (siehe Publikationen).


Impressionen


Keynote-Vortrag: Prof. Ackers
Publikum
Pausengespräch
Podiumsdiskussion

Bilder:
Netzwerk EWH | G.Hartwig und T. Preising

 

Zurück in die Stadt - auch in die Klein- und Mittelstädte des EWH

Die sich an die Vorträge anschließende Diskussion hat deutlich gemacht, dass der Trend der Reurbanisierung nicht nur wachsende Metropolen wie München oder Hamburg betrifft, sondern sich in vielen Städten ab ca. 50.000 Einwohnern beobachten lässt. Eine Rolle spielen hierbei natürlich die individuellen Qualitäten der Klein- und Mittelstädte aber auch Faktoren wie Standorte von Unternehmen oder (Fach-)Hochschulen. Dementsprechend sind als Gruppen, die zurück in die Städte streben vor allem Berufseinsteiger und junge Erwachsene, sowie die Generationen 60+ auszumachen. Gerade für die letztere Gruppe sind vermutlich infrastrukturelle und soziale Angebote ausschlaggebend. Bei der Steuerung bzw. Förderung dieser beobachtbaren, statistisch aber noch nicht belegbaren, Veränderungen stellt sich für die Städte die Frage, wie die Attraktivität des Wohnstandorts Stadt an die vielfältigen Bedürfnisse angepasst werden kann. Gleichzeitig besteht die Herausforderung, den Trend zurück in die Stadt nicht zur Gentrifizierungsfalle der vorhandenen Bevölkerungsgruppen werden zu lassen.

Stadt als Gemeinschaftsprojekt
Gerade für die Entwicklung von (neuen) Wohnstandorten in den Städten ist ein sensibler Umgang mit der vorhandenen Bevölkerung von Bedeutung. Die Planenden müssen nicht nur die lokale Politik sondern vor allem auch die Bürger mitnehmen. Der (Beteiligungs-)Prozess als Ziel muss die Devise heißen um die Stadtgesellschaft in ihrem Zusammenhalt zu stärken. Bedenken und Ängste vor Veränderungen gilt es ernst zu nehmen und auszuräumen. Letztendlich spielt bei der Stärkung der Städte auch eine Rolle, dass sie als Lebensorte wahrgenommen, wertgeschätzt und authentisch dargestellt werden. Eine wichtige Rolle hierfür können Integrierte Stadtentwicklungskonzepte (ISEKs) leisten, die die vielfältigen Aufgaben und Aspekte des städtischen Lebens zusammen führen. Die Herausforderung in der Erarbeitung von Stadtentwicklungskonzepten liegt darin, dass sie in intensiven Diskussionsprozessen passgenau auf den jeweiligen Ort zugeschnitten werden müssen und nicht zur Copy+Paste-Routineaufgabe aus dem standardisierten Baukasten verkommen dürfen.

Herausforderungen und Chancen
Insgesamt hat die Fachtagung des Netzwerks EWH gezeigt, dass der Trend „Zurück in die Stadt“ auch für die Mittelstädte des Erweiterten Wirtschaftsraums Hannover eine Rolle spielt und es bereits viele Ansätze gibt, die Städte als alternative Wohnstandorte anstelle von Suburbia zu stärken. Gleichzeitig ist aber deutlich geworden, dass die Entwicklung zurück in die Stadt kein Selbstläufer ist, sondern weitsichtig und vor allem kooperativ von den Akteuren betrieben werden muss. Für die Gestaltung der Aufgabe „Reurbanisierung“ ist die Fähigkeit, neue Herausforderungen anzugehen genauso unabdingbar wir manchmal ein langer Atem in den komplexen Abstimmungsprozessen und eine qualifizierte Aufstellung seitens der kommunalen Planung. Die Städte des Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover befinden sich hier auf einem guten Weg!